«Herr Heuberger, wie lässt sich der Rohstoffabbau in der Schweiz minimieren?»

Dr. Stefan Heuberger, Geologe, leitet die Fachgruppe
Georessourcen Schweiz und ist Dozent am
Departement Erdwissenschaften an der ETH Zürich

Herr Dr. Heuberger, Ihre Fachgruppe betreibt das «Rohstoffinformationssystem Schweiz». Warum braucht es diese Daten?

Unser laufend ausgebautes Rohstoffinformationssystem und das verknüpfte Portal von swisstopo sind wichtige frei zugängliche Planungsinstrumente. Eine kantonsübergreifende Übersicht über die Rohstoffe ist von entscheidender Bedeutung, um die nationale Rohstoffversorgung sicherzustellen. Auch die Schweizer Raumplanung greift darauf zurück, beispielsweise um Nutzungskonflikte zu klären.


Sie setzen sich dafür ein, heimische Rohstoffe zu nutzen. Warum dieses Engagement?

Die Schweiz ist reich an mineralischen Bodenschätzen wie Kies, Sand, Salz, Kalk, Mergel und Naturstein. Es bringt der Schweiz zwei elementare Vorteile, diese Rohstoffe abzubauen: einen strategischen und einen ökologischen. Aus strategischer Sicht sind inländische Rohstoffe vorzuziehen, weil wir dadurch unabhängig von Importen aus dem Ausland sowie den damit verbundenen Liefer- und Preisschwankungen sind. Zudem findet die Wertschöpfung im Inland statt.


Und wo sehen Sie den ökologischen Vorteil?

Inländische Rohstoffe müssen nicht über weite Distanzen aus dem Ausland eingeführt werden. Das führt nicht nur zu weniger Verkehr, sondern wirkt sich auch positiv auf den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen aus. Indem wir Bodenschätze in der Schweiz abbauen, stellen wir im Vergleich zu importierten Rohstoffen zudem sicher, dass unsere strengen ökologischen und sozialen Standards erfüllt sowie die Abbaustellen sachgemäss renaturiert werden.


Weshalb gibt es dennoch bestimmte Schweizer Bodenschätze, die nicht abgebaut werden?

Bodenschätze wie Metallerze, Kohle oder Erdöl sind nur in geringen Mengen vorhanden und ihr Abbau ist mit einem grossen Aufwand verbunden. Die Schweizer Metallerz-Vorkommen werden beispielsweise bereits seit den 1960er-Jahren nicht mehr genutzt, da sie vergleichsweise klein und weit verteilt sind.


Der Rohstoffabbau wird auch kritisch beäugt. Wie lässt er sich so weit wie möglich minimieren?

Die Bodenschätze werden bereits heute wo machbar mit sogenannten sekundären Rohstoffen, das heisst rezyklierten Materialien, ersetzt. Die Möglichkeiten und Mengen sind jedoch beschränkt. Darüber hinaus gilt es abzuwägen, was uns wichtiger ist: Entweder wir nutzen die Schweizer Rohstoffe, was mit punktuellen, zeitlich begrenzten Emissionen verbunden ist, oder wir greifen auf Importe zurück und nehmen die damit verbundenen Nachteile in Kauf.

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