Salzgut am Ort: Naturschutz kennt keine Grenzen

Der Naturfonds Salzgut der Schweizer Salinen setzt weitere Akzente. Die diesjährige Projektbesichtigung «Salzgut am Ort» widmet sich dem Trinationalen Steinkauzprogramm. Ein innovatives Projekt, das eindrücklich zeigt, dass Naturschutz nicht an den Landesgrenzen Halt machen muss.

Der Steinkauz ist seit den 1970ern in der Nordwestschweiz nicht mehr ansässig.

Der Steinkauz ist ein treuer Vogel. Haben sich ein Männchen und Weibchen gefunden, bleiben sie ein Leben lang am selben Ort zusammen. Da diese gut 20 cm kleine Eule zudem gesellig ist, lässt sie sich nur dort nieder, wo bereits andere Artgenossen ihr Revier aufgeschlagen haben. Und genau hier liegt das Problem: Der Steinkauz besiedelt neue Gebiete nicht so schnell wieder, wie gewünscht. Der Vogel des Jahres 2021 ist seit den 1970er in der Nordwestschweiz nicht mehr ansässig.

Deshalb hat BirdLife Schweiz, der Dachverband der meisten Naturschutzvereine in der Schweiz, vor über 20 Jahren das Trinationale Steinkauzprogramm ins Leben gerufen. Ein innovatives und aussergewöhnliches Projekt, wie Jonas Leuenberger, Projektkoordinator bei BirdLife Schweiz, erklärt: „Es handelt sich um ein Vorzeigeprojekt, weil wir hier länderübergreifend zusammenarbeiten.“

Dank der Kooperation mit verschiedenen Partnerorganisationen in der Schweiz sowie im Elsass und im Südbaden konnten so verschiedene gefährdete Vogelarten gefördert werden. Seitdem breitet sich der Steinkauz im Elsass und im Südbaden langsam aus. Heute leben dort wieder rund 140 Brutpaare. Und in der Nordwestschweiz?

Jonas Leuenberger, Projektleiter BirdLife Schweiz, gibt Einblicke in die Lebensweise des Steinkauzes. Sämtliche Fotos: Andreas Bernasconi, Pan Bern AG

Es braucht Geduld

Der Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach, der die Aktivitäten in den Nordwestschweizer Kantonen koordiniert, betont: „Es braucht viel Geduld und kontinuierliche Arbeit über einen langen Zeitraum, wenn wir Erfolg haben wollen.“ Wie diese Fördermassnahmen, die der Naturfonds Salzgut der Schweizer Salinen mitfinanziert, konkret aussehen, erläuterten die Projektverantwortlichen. Ihre Ausführungen wurden ergänzt durch Vertreter des Naturfonds Salzgut und der Schweizer Salinen im Rahmen des Anlasses „Salzgut am Ort“ vom 1. Juli 2021.

Über 30 Fachleute sowie Gemeinde- und Kantonsvertreter konnten sich in Biel-Benken und in Muttenz ein Bild von den vielfältigen Arbeiten machen und sich über Best Practice im Natur- und Landschaftsschutz austauschen.  

An der Projektbesichtigung «Salzgut am Ort» nahmen über 30 Fachleute sowie Gemeinde- und Kantonsvertreter teil.

Attraktiver Lebensraum

Erster Halt ist Biel-Benken, nahe der französischen Grenze. Auf den ersten Blick erschliesst sich den Besucherinnen und Besuchern eine vielfältige Kulturlandschaft mit Rebbergen, Weiden und Obstbäumen. Lukas Merkelbach erläutert seine Arbeit: „Dies ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wohin wir eine Landschaft entwickeln möchten, damit diese für den Steinkauz und für viele weitere seltene Vogelarten wieder zu einem attraktiven Lebensraum wird.“

Attraktiv bedeutet für den Biologen vor allem eine Vielzahl an unterschiedlichen Strukturen, Vegetationshöhen und teilweise hochwertigen botanischen Wiesen mit einem hohen Blütenangebot. Denn, so Merkelbach: „Der Steinkauz braucht eine vielfältige Kulturlandschaft mit hochstämmigen Obstbäumen, Blumenwiesen und dornigen Strauchgruppen, weil er das ganze Jahr ansässig ist. Und ein solches Biotop versuchen wir anzubieten.“ Seit 2004 arbeitet man daran. In Zusammenarbeit mit den Landwirten, vielen Freiwilligen und den Kantonen, die einen Teil dieses Projekts finanzieren. So sind seitdem in der Nordwestschweiz rund 60 Hektaren Land mit über 1‘500 Bäumen und 2‘500 Sträuchern aufgewertet worden.

Grossflächig präsent

Leider ist es bis heute noch nicht gelungen, den Steinkauz in der Nordwestschweiz wieder anzusiedeln. Lukas Merkelbach aber ist zuversichtlich: „Wenn Sie unweit von hier über die Grenze nach Frankreich gehen, entdecken Sie bereits die ersten Steinkauz-Reviere.“ Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Steinkauz-Paar über die Grenze wagt. Der Biologe erläutert die Herausforderung: „Wir wissen nicht vorher, wo sich der Steinkauz niederlassen wird. Deshalb müssen wir grossflächig präsent sein.“

Um die Steinkauzpopulation rund um Basel auf einer angemessenen Fläche zu fördern, umfasst das Programm ein Projektgebiet von rund 400 km2 zwischen Colmar, Freiburg i. Br., Möhlin und der Ajoie im Jura. Merkelbach: „Auf dieser Fläche versuchen wir, viele lokale Schwerpunkte zu setzen.“

Obwohl dieses Projekt also weit über die Landesgrenzen hinausgeht, hat der Expertenrat des Naturfonds Salzgut entschieden, das Programm finanziell zu unterstützen. Benedikt Schmidt, Präsident des Expertenrats, erklärt warum: „Wir haben festgestellt, dass grenznahe Gebiete eine höhere Biodiversität aufweisen und somit einen sinnvollen Beitrag zur Aufwertung des Lebensraums in der Nordwestschweiz leisten.“ Und das wiederum führe dazu, dass viele gefährdete Vogelarten wieder heimisch würden. „Gerade dieses Projekt zeigt“, so Schmidt, „dass es im Naturschutz keinen Sinn macht, sich an Grenzen zu halten.“

Der Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach zeigt, wie im ehemaligen Salzfördergebiet Zinggibrunn bei Muttenz die Biodiversität gefördert wird.

Motor für die Biodiversität

Tatsächlich geht es im Trinationalen Steinkauzprogramm nicht nur um diese seltene Eulenart. Lukas Merkelbach betont: „Wir versuchen, den ganzen Lebensraum hochwertig zu gestalten, um weitere seltene Vogelarten, wie Dorngrasmücke, Neuntöter und Gartenrotschwanz wieder anzusiedeln.“ Hier zeichnen sich in den letzten Jahren Erfolge ab, da diese Arten oft auf Flächen erscheinen, die im Rahmen des Steinkauzprogramms aufgewertet worden sind.

Die gezielte Förderung der Biodiversität scheint der richtige Weg zu sein. Dazu gehört auch die Wiesenrenaturierung im Zinggibrunn bei Muttenz – ein Gebiet mit Reben, Obstwiesen, Kleingärten und extensiven Weiden. Hier, wo die Schweizer Salinen lange Zeit Salz gewonnen haben, wird seit diesem Jahr im Namen des Steinkauzprogramms ein Projekt des Naturschutzvereins Muttenz weitergeführt, welches dieses Gebiet aufwertet.

Am Salzgut-Anlass liegt der Fokus auf der Renaturierung von extensiven Blumenwiesen, die in den letzten 50 Jahren in der ganzen Schweiz um 95% zurückgegangen sind. Dabei sind diese für die Biodiversität unglaublich wertvoll. Lukas Merkelbach erklärt: „Auf einem Quadratmeter können zwischen 20 bis 40 Pflanzenarten wachsen. Das ist ein Motor für die Biodiversität.“ Und die braucht es, um dem Steinkauz und anderen Tierarten einen Lebensraum bieten zu können.

In Zinggibrunn wurde eine neue Magerwiese mit wertvollen lokalen Pflanzenarten wie Skabiose, Hufeisen-Klee und Acker-Wachtelweizen angesät. Diese sollen sich nun kontinuierlich auf die umliegenden Wiesen ausbreiten und so für mehr Insekten sorgen – eine wichtige Nahrungsquelle für den Steinkauz und andere bedrohte Vogelarten.

Naturschutz und Salzförderung

Es ist kein Zufall, dass in einem Gebiet, in dem jahrelang Salz gefördert wurde, die Natur vielfältiger geworden ist als vorher. Denn die Schweizer Salinen bekennen sich zu einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie. Diese findet nicht nur Ausdruck im Naturfonds Salzgut, der die Biodiversität vor allem in den Gebieten fördert, in denen Salz gewonnen wird. Jonas Leuenberger von BirdLife Schweiz stellt denn auch fest: „Heute haben wir eindrücklich gesehen, wie gut Salzgewinnung und Naturschutz zusammenpassen.“

Diesen Beitrag teilen auf:

Share on email
Share on facebook
Share on twitter

Ihre Ansprechpartner

Dr. Urs Ch. Hofmeier

Geschäftsführer

Tel. +41 61 825 51 51
urs.hofmeier@saline.ch

Carlo Habich

Delegierter für Soleförderung und Nachhaltigkeit

Tel. +41 61 825 51 51
carlo.habich@saline.ch

Folgen Sie uns auf den sozialen Medien

Verwandte Beiträge

«Herr Savary, warum verkaufen die Schweizer Salinen auch im Sommer Auftausalz?»
23.11.2021
Bei den Schweizer Salinen laufen die Wintervorbereitungen auf Hochtouren
11.11.2021
Ein Flachmoor wird aus dem Dornröschenschlaf geweckt
05.11.2021