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Alltag mit Taufix: Wie der Winterdienst der Schweiz funktioniert

Die Schweizer Salinen stellen im Auftrag der Kantone und des Fürstentum Liechtenstein die Versorgung mit Salz sicher. Damit dieses im Winter zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf die Strassen gelangt, braucht es den Winterdienst in den Kantonen und Gemeinden. Mit welchen Herausforderungen sind diese konfrontiert? Wir haben bei drei verantwortlichen Personen nachgefragt.

Der Winter meldet sich zurzeit wieder zurück. Umso mehr sind die Winterdienste der Kantone und Gemeinden wieder gefragt. Auch wenn der schweizweite Bedarf an Auftausalz von Jahr zu Jahr schwanken kann: Ein Rekordmonat wie der Januar 2021 hat gezeigt, wie wichtig ein gut funktionierendes Versorgungssystem ist. In nur einem Monat wurden schweizweit 112’000 Tonnen Auftausalz benötigt. Dank der grossen Lager und einer eingespielten Logistik stellen die Schweizer Salinen trotz dieser Schwankungen die Versorgungssicherheit sicher und gewährleisten gemeinsam mit den Winterdiensten die Sicherheit auf den Schweizer Strassen und Fusswegen.

Für den Winterdienst sind einerseits die Kantone und deren Gemeinden verantwortlich, die sich um 17’000 Kilometer Kantonsstrassen und um ganze 65’000 Kilometer Gemeindestrassen kümmern. Andererseits fallen 2’255 Kilometer Nationalstrassen unter die Aufsicht des Bundesamtes für Strassen (ASTRA).

Schneefahrzeug befördert Schnee von der verschneiten Strasse
Im Rekordmonat Januar 2021 wurden schweizweit 112’000 Tonnen Auftausalz benötigt.

Spagat im Winterdienst

Der Schweizerische Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) für den Winterdienst klare Vorgaben: Das übergeordnete Verkehrsnetz sowie die Strassen mit ÖV oder Anbindungen an Spitäler oder Bahnhöfe geniessen Vorrang vor Quartierstrassen, Fussgängerverbindungen, Treppenanlagen und restlichen Strassen.

Dennoch bleibt der Winterdienst ein grosser Spagat zwischen unterschiedlichen Anspruchsgruppen aus Staat, Wirtschaft, Umweltschutz, (öffentlichem) Verkehr, Fahrradfahrenden sowie Eltern, Kindern und Betagten. Wie meistert man diese Aufgabe? Wir haben bei drei verantwortlichen Personen nachgefragt.

Eric Diserens: Winterdienst à la Romandie

«Jede Saison ist anders», erklärt Eric Diserens auf die Frage, was in seiner Karriere der herausforderndste Winter gewesen sei. Immerhin ist der Betriebsleiter Strassendienste schon über fünfzehn Jahre beim Kanton Waadt angestellt und hat schon einiges erlebt. So beispielsweise den Winter 2015, wo die Kinder im Kanton Waadt für zwei Tage nicht mehr zur Schule gehen konnten, Strassen wegen Baumschlag mehrere Tage geschlossen blieben und die Versorgung mit Auftausalz schwierig wurde.

Seit der Kanton Waadt Aktionärin der Schweizer Saline geworden ist, ist er auch Teil der solidarischen Salzversorgung der Schweiz und profitiert von dieser Sicherheit. Zudem habe sich auch technologisch einiges getan: «2013 sind wir auf Sole als Streumittel umgestiegen. Die Lösung aus 21 Prozent Salz verdünnt mit 79 Prozent Wasser ermöglicht eine bessere Streuung auf der Fahrbahn und eine schnellere Wirkung als bei reinem Auftausalz bis zu –8 °C. Dadurch sind wir heute deutlich effizienter und leistungsfähiger, weil wir weniger Streusalz benötigen. »

Durch die klimatischen Veränderungen ist der Arbeitsalltag von Eric Diserens anders geworden: Während es früher über längere Phasen schneite, sind es heute meist nur noch zwei bis drei Tage Winterdienst, der dafür umso intensiver ausfällt. Zudem ist öfter Nachtschicht angesagt: «Trotz Klimaerwärmung reicht die Kälte in der Nacht noch aus, um aus den Regenfällen Glatteis zu machen. Hier sind wir sehr gefordert.»

Schneefahrzeug räumt Schnee von der Strasse.
Der Winterdienst verändert sich stark in der Schweiz: Statt reinem Auftausalz setzt man auf eine Salz-Wasser-Mischung (Sole), sichert sich über Daten ab und lagert grosse Mengen Auftausalz für Notfälle.

Ignaz Schubiger: Wie der Werkhof sich für den Winterdienst wappnet

«Damit uns das Auftausalz nicht ausgeht, überwachen wir vom Werkhof Sprengi der Zentras in Emmenbrücke (LU) regelmässig den Salzvorrat im Werkhof und in unsere neun externen Salzdepots mithilfe des Salzmanagers», sagt Bereichsleiter Ignaz Schubiger. Allein der Werkhof Sprengi versorgt so 500 Kilometer Luzerner Kantonsstrassen und weitere 140 Kilometer Nationalstrassen der Kantone Luzern, Zug sowie Nid- und Obwalden.

Bei der Zentras wird das Auftausalz lose in der Halle und in Silos mit einer Kapazität von 100 bis 450 Tonnen gelagert. Andere Werkhöfe in der Schweiz nutzen Alternativen wie Big Bags mit 1000 Kilogramm Auftausalz oder kleinere Säcke mit 25 oder 50 Kilogramm Fassvermögen. Solange das Salz vor UV-Strahlung, Nässe und starken Temperaturschwankungen geschützt wird, kann es auch über mehrere Jahre gelagert werden.

«Falls ausserordentliche Ereignisse auftreten, können wir auf unser strategisches Notlager im Depot Sursee zugreifen», informiert Ignaz Schubiger. Und sollte dieses nicht ausreichen, kann der Werkhof auch kurzfristig bei den Schweizer Salinen nachbestellen. Hier profitiere man von den grossen Lagerbeständen der Salzlagerhallen Saldome 1 und 2 und der guten Zusammenarbeit mit den Schweizer Salinen, so Schubiger.

Ralf Arnold: Winterdienst der Extreme am Gotthard

Der Gotthardtunnel ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Schweiz mit einem jährlichen Verkehrsaufkommen von etwa 6,5 Millionen Fahrzeugen. Damit die Verkehrssicherheit der Region auch im Winter garantiert ist, arbeiten die Einsatzleiter rund um die Uhr. Sie studieren die Wetterlage und deren Veränderung und können bei Bedarf auf ein Team aus Winterspezialisten zurückgreifen, die die Strasse und den Pass ausserhalb der Wintersperre vor Schnee- und Eisglätte befreien.

«Der Gotthard ist eine Wetterscheide. Kommt Nordwind, haben wir von Schwyz bis in den Kanton Uri Schneegestöber, während es im Tessin schön und warm bleibt. Bei einem Genua-Tief hingegen haben wir vom Nordtessin über den Gotthard bis in den Urner Talboden ergiebige Schneefälle», fasst Ralf Arnold, Fachbereichsleiter Winterdienst beim Amt für Betrieb Nationalstrassen (Kanton Uri), die Herausforderungen seiner Tätigkeit zusammen.

Uri ist der Passkanton der Schweiz und teilt nebst dem Gotthard den Klausen-, Susten-, Furka- und Oberalppass mit seinen Nachbarskantonen, die zwar in der intensiven Wintersaison gesperrt werden. Trotzdem ist sich das Winterdienst-Team von Ralf Arnold Steigungen und Gefälle gewohnt. «Gerade die Strecke zwischen Amsteg und Göschenen bleibt aber dennoch für uns immer wieder eine Challenge: Eine Strasse von 13 Kilometern mit einer Höhendifferenz von 600 Metern schwarzgeräumt, also fast vollständig schnee- und eisfrei zu halten, ist selbst für ein eingespieltes Team wie unseres nicht einfach», erklärt der Fachbereichsleiter.

Mehrere Waggons eines Zuges stehen vor einer grauen Kuppel
Um das Salz möglichst nachhaltig zu transportieren, wird es direkt auf den Zug verladen und in die ganze Schweiz transportiert.

Vielfältiges Auftausalz für vielfältige Verbraucher

Auftausalz ist nicht gleich Auftausalz. Die Branche und ihre Berufe haben sich enorm verändert: Verstärkt wird auf Daten, Sole und grosse Salzdepots gesetzt, um mit Salzmanagern den Bedarf an Auftausalz abzuschätzen und dem Klimawandel Paroli zu bieten. Nachtschicht und Piketteinsätze lassen sich aber auch in einem eher milden Winter wie 2022/23 nicht vermeiden und die Arbeitsbedingungen bleiben so wechselhaft wie das Wetter. Für Konstanz und Stabilität sorgt die solidarische Salzversorgung der Schweizer Salinen, die so verschieden und flexibel sein kann wie ihre Partner in sämtlichen Regionen der Schweiz.

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