Jedem Tierchen sein Pläsierchen gilt für Wildbienen ganz besonders. Jede einzelne Art hat sehr spezifische Vorlieben. Mit der Unterstützung des Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen ist bei der Schule Gansingen (AG) ein 600 Quadratmeter grosses Wildbienenparadies entstanden. Es war innert kürzester Zeit bewohnt.
Das Wildbienenparadies der Schule Gansingen ist eine Art Luxushotel für Wildbienen: Individuelle Vorlieben werden zu 100 Prozent erfüllt, zumindest von zehn Arten. Eine davon ist die Garten-Wollbiene. Sie nistet in Hohlräumen. Ihr Nest kleidet sie mit Pflanzenwolle aus, zum Beispiel von der Eselsdistel. Ganz andere Bedürfnisse hat die Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene. Sie nistet in leeren Schneckenhäusern und zeigt dabei ein gewisses Standesbewusstsein: grosse Schneckenhäuser werden bevorzugt. Die Gewöhnliche Keulhornbiene hingegen benötigt für ihre Nester senkrecht aufgerichtete Stängel von Rosen, Holunder und Königskerze.
Das Wildbienenparadies ist ein Projekt der Gemeinde Gansingen und wurde vom Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen mitfinanziert. Es wurde im Herbst 2025 fertiggestellt und war sehr schnell bewohnt: «Wenn man so eine Struktur baut, kommen die Bienen eigentlich sofort», sagt Yvonne Bont von Kompass B. Das Büro hat im Auftrag der Gemeinde das Projekt konzipiert und zusammen mit einem Gartenbauunternehmen umgesetzt. Auch die Schulkinder aus Gansingen haben an zwei Tagen mitgearbeitet. «Sie haben beim Finish tatkräftig mitgeholfen, zum Beispiel haben sie die markhaltigen Stängel eingebaut», sagt Yvonne Bont.
Geplante Wildnis für sensible Bewohner
Auf den ersten Blick sieht das Wildbienenparadies aus wie ein wilder Naturgarten. Hinter der scheinbaren Wildnis steckt allerdings sorgfältige Planung: Für bodennistende Arten wurden Sandlinsen eingebaut, Ruderalflächen mit spezialisierten Futterpflanzen bepflanzt sowie Steinhaufen und Findlinge als Wärmeinseln angelegt. Hinzu kommen Totholzstrukturen für holzbewohnende Arten, Stängel, die im Inneren mit einer weichen, weissen Markschicht gefüllt sind, Schneckenhäuser, eine Blumenwiese und ein Kaltkomposter. Jeder Bestandteil ist gezielt auf die Bedürfnisse der Wildbienen abgestimmt, bis hin zu den einzelnen Pflanzenarten, Blühzeiten und Niststrukturen.
Friedliche Einzelgängerinnen
Insgesamt gibt es rund 600 Wildbienenarten in der Schweiz. Es sind friedliche Einzelgängerinnen, die für den Menschen ungefährlich sind und im Gegensatz zu Honigbienen kaum stechen. «Wildbienen sind sehr gefährdet, weil sie störungsanfällig sind und viele ihrer Lebensräume verschwinden», erklärt Yvonne Bont. «Wenn man sie jedoch an einem Ort ansiedelt, kommen mit ihnen auch viele andere Bestäuberinsekten und Schmetterlinge.» Sie alle zusammen bestäuben einen Grossteil der Obst- und Gemüsepflanzen und sind unverzichtbar für das biologische Gleichgewicht der Natur. «Gerade deshalb sind Wildbienen für Kinder ein sehr guter Zugang zum Thema Biodiversität», sagt Yvonne Bont. Um diesen Zugang möglichst einfach zu gestalten, wurden im Wildbienenparadies auch Informationstafeln mit Lehrfilmchen aufgestellt.
Lehrpfad und Inspiration
Der Lehrpfad ist damit ein Freiluft-Schulzimmer für die Schulkinder und ein begehbarer Lebensraum dieser hoch spezialisierten Arten für die breite Öffentlichkeit. Denn auch die Bevölkerung soll vom Wildbienenparadies profitieren: Es ist offen zugänglich, soll inspirieren und zeigen, dass ein wenig natürliche Unordnung im eigenen Garten oder auf dem Balkon die Biodiversität fördern kann.
Damit das Paradies langfristig bestehen bleibt, ist auch die Pflege Teil des Konzepts. In den ersten drei Jahren wird der Unterhalt fachlich begleitet. Gleichzeitig wird Wissen an die Verantwortlichen vor Ort weitergegeben, damit die Fläche auch danach in guter Qualität erhalten bleibt. Denn: «Ein Wildbienenparadies ist kein fertiges Ausstellungsstück, sondern ein lebendiger Ort, der sich entwickelt», sagt Yvonne Bont.
Über den Naturfonds salzgut
Der Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen unterstützt Projekte in den Bereichen der Biodiversitätsförderung und Umweltbildung. Im Fokus stehen lokale Projekte in den Gemeinden, in denen die Schweizer Salinen heimisches Salz gewinnen. Weitere Informationen zu Projekten und zum Naturfonds sind unter www.salzgut.ch verfügbar.

