Muttenz: Drohnenflüge und Installation von Messsonden

Wer diesen Frühling einen Spaziergang von Muttenz in Richtung Zinggibrunn unternimmt, begegnet möglicherweise einem UFO. Wobei das U in diesem Fall für ‘unbemannt’ steht, und das Flugobjekt eine spezielle Drohne ist. Mit Drohnenflügen und mit anderen Hightech-Geräten erfassen Spezialisten geringste Veränderungen im Gelände rund um das Salzfördergebiet. Mit neuen Sonden untersuchen sie auch den Zustand der Bohrschächte und die Struktur der unterirdischen Kavernen.

Ein Gespräch mit Dr. Andreas Kühni, der als Leiter Exploration und Gewinnung so viel wie möglich über die bisherigen und künftigen Abbaugebiete der Schweizer Salinen wissen möchte.

Herr Kühni, die Schweizer Salinen gewinnen hier ausserhalb von Muttenz Salz unter dem Erdboden. Was suchen Sie denn in der Luft mit dieser stattlichen Drohne?

Eine Drohne ist ein richtiges Multitalent und erschliesst laufend neue Anwendungsgebiete. Hier in Muttenz möchten wir mit diesem Pilotversuch die Geländevermessung optimieren. Mit den herkömmlichen Messungen, den sogenannten Präzisionsnivellements, können wir zwar bereits geringste Höhenveränderungen im Abbaugebiet über einen langen Zeitraum dokumentieren. Die Drohne bietet jedoch den Vorteil, dass sie nicht nur genau, sondern auch schneller und flexibler ist. Wenn der Pilotversuch erfolgreich ist, möchten wir künftig in viel kürzeren Zeitabständen messen und die Drohne zwei bis drei Mal im Jahr für einen Tag lang für Messflüge einsetzten.

Im Sommer 2020 installierten Sie bereits zwei neue Messstellen unweit von hier im Gebiet Sulz/Eigental und Grosszinggibrunn. Gibt es hier so viel, das Sie noch nicht wissen?

Da die Schweizer Salinen schon seit Jahrzehnten hier Sole fördern, beschäftigen sich unsere Geologen natürlich schon lange und intensiv mit diesem Gebiet. Wir pflegen diesen Datenschatz sorgfältig und teilen dieses Wissen auch mit den Behörden oder der Forschung. Der Hang, auf dem wir hier stehen, verändert sich aber vorzu. Dabei sind viele Faktoren im Spiel, zum Beispiel natürliche Hangbewegungen, Schrumpfprozesse nach Trockenperioden oder langfristige Setzungsvorgänge durch Veränderungen in der Salzschicht. Wir suchen nach Antworten auf unterschiedliche Fragen mit den jeweils verfügbaren Methoden und können dann mit den gewonnenen Daten unsere langfristigen Modelle verfeinern.

Heisst das, Sie planen noch weitere Messungen?

In der Tat. Diese konzentrieren sich aber in erster Linie auf diejenigen Bohrlöcher im Sulz, die nicht mehr aktiv sind. Dazu muss man sagen, dass der ‘Geysir’ vor einigen Jahren bei den Schweizer Salinen vieles ausgelöst hat. Ich bin zwar erst seit einigen Monaten im Unternehmen tätig, merke aber deutlich die grosse Entschlossenheit, hier mit maximaler Sicherheit vorzugehen. Die Firma Solexperts hat bereits begonnen, in einigen Bohrungen Drucksonden zu installieren. Weitere werden folgen. Damit können wir den Wasserspiegel in den Kavernen genau überwachen. Zudem werden Spezialfirmen voraussichtlich im Sommer alle Kavernen im Sulz mit Echolot vermessen und auch die Integrität der Rohre sowie den Zustand der Zementation der Förderschächte auf Mark und Bein prüfen. Dabei ist dann ein etwas grösseres Messfahrzeug im Einsatz. Bauarbeiten oder Sperrungen gibt es aber keine, alles erfolgt auf den bestehenden Bohrplätzen.

Sie erwähnen die Integrität der Kavernen. Gibt es denn Anzeichen für undichte Stellen?

Das überwachen wir auf allen Bohrfeldern standardmässig sehr genau, darum können wir zuverlässig sagen: Alle aktiven Produktionsbohrungen sind dicht. Diese Kavernen und Rohre sind ja mit Sole gefüllt und stehen unter Druck. Wenn der Druck abnimmt, ist das ein Hinweis, dass irgendwo im Bohrloch oder in der Kaverne etwas undicht ist. Wenn wir eine Druckabnahme feststellen, stoppen wir die Förderung unverzüglich. Das war in der Vergangenheit bei vier Kavernen im Grosszinggibrunn der Fall. Dort wird aktuell keine Sole mehr gefördert und die Kavernen verbleiben bis auf weiteres mit Sole gefüllt inaktiv. Die Schweizer Salinen haben nicht zuletzt darum entschieden, den aktuellen Zustand der Kavernenfelder genau zu untersuchen. Dabei stützen wir uns auch auf Gutachten von externen Fachleuten wie Prof. Dr. Simon Löw, der im Dialogprozess Rütihard involviert war, oder auf den engen Austausch mit den kantonalen Behörden.

Sie erwähnten, dass Sie erst jüngst zum Unternehmen stiessen. Sind alle diese intensivierten Aktivitäten auf Ihre Initiative erfolgt?

Keinesfalls. Das meiste davon war schon lange geplant, die Vorbereitung aber sehr aufwändig. Vieles wurde auch bereits umgesetzt, zum Beispiel die erwähnten neuen Messstellen oder die seismischen Untersuchungen im vergangenen Herbst. Dahinter stehen ja Konzepte, Fachleute und Spezialgeräte, die nicht von heute auf Morgen einsatzbereit sind. Dass dies so gewissenhaft vorbereitet war, bestätigt mir aber, dass ich hier mit einem fachlich ausgezeichneten Team arbeiten darf, und dass wir auch den Support und die notwendigen Ressourcen von der Unternehmensführung erhalten.

Was war denn der Auslöser für diesen Schub von Massnahmen?

Die Förderstellen in dieser Gegend sind teilweise mehrere Jahrzehnte alt und die Datenlage ist sehr unterschiedlich. Die Methoden zur Erkundung des Untergrunds und die Technik für den Salzabbau haben sich über die Jahre enorm weiterentwickelt. Die Schweizer Salinen haben daher einen Plan entwickelt, um sich eine detaillierte, aufdatierte Übersicht ihrer Fördergebiete in Muttenz zu verschaffen. Diese wird den heutigen Anforderungen und dem heutigen Stand der Technik entsprechen. Mit den erwähnten Untersuchungen von Kavernen schaffen wir sukzessive eine umfassende Bestandsaufnahme. Es ist in diesem Rahmen auch vorgesehen, zusätzliche Stabilitäts-Modellierungen über sehr lange Zeiträume durchzuführen.

Wenn wir Sie richtig verstehen, wird dieser längere Prozess weiter andauern. Wo können Interessierte sich über die Aktivitäten und Ergebnisse informieren?

Die Schweizer Salinen informieren hier auf saline.ch laufend über wichtige Ereignisse und andere wissenswerte Neuigkeiten rund um die Salzgewinnung in unseren drei Salinen Schweizerhalle, Riburg und Bex. Wer den E-Newsletter abonniert, erhält wichtige News auch per E-Mail. Unsere Ansprechpartner für die Nachbarschaft stehen zudem bei Fragen oder Anregungen gerne zur Verfügung oder leiten an die entsprechenden Fachpersonen weiter. Ich würde mich freuen, von interessierten Muttenzerinnen und Muttenzern zu hören.

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Ihre Ansprechpartner

Dr. Urs Ch. Hofmeier

Geschäftsführer

Tel. +41 61 825 51 51
urs.hofmeier@saline.ch

Carlo Habich

Delegierter für Soleförderung und Nachhaltigkeit

Tel. +41 61 825 51 51
carlo.habich@saline.ch

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