«Wir können davon ausgehen, dass die Biodiversität zugenommen hat»

Dr. Benedikt Schmidt ist Präsident des Expertenrats des Naturfonds salzgut der Schweizer SalinenDer promovierte Biologe ist Forschungsgruppenleiter an der Universität Zürich und leitet die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz. Im Interview erklärt er, welche Natur- und Landschaftsschutzprojekte unterstützt werden, und was salzgut von anderen Fonds oder Förderstiftungen unterscheidet.  

Dr. Benedikt Schmidt präsidiert den Expertenrat, seit es den Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen gibt.

Was macht der Präsident des Expertenrates des Naturfonds salzgut?

Ich habe als Mitglied des Expertenrates dieselben Rechte wie alle anderen – und ich übernehme einige zusätzliche Aufgaben. Gemeinsam mit der Geschäftsstelle und dem Vertreter der Schweizer Salinen bereite ich die Expertenratssitzungen vor. Die Geschäftsstelle prüft und bewertet die Projekte anhand eines Bewertungsrasters. Wir besprechen die Projekte zu dritt und geben eine Empfehlung ab für den Expertenrat. Dieser diskutiert zweimal pro Jahr in seinen Sitzungen intensiv – und kommt nicht immer zum selben Schluss wie unsere Empfehlung. Am Ende wurden wir uns aber immer einig. Das macht die Arbeit so interessant und vielseitig.

Wie bewerten Sie die Anträge?

Das Raster stellt Fragen wie: Wie viel Geld wird angefragt und entspricht das auch den tatsächlichen Kosten? Wie langfristig ist das Projekt angelegt und mit welchem Nutzen? Wie innovativ ist es und wie professionell sind die Antragstellenden? Wird zum Beispiel ein Weiher gebaut, fragen wir nach der langfristigen Sicherung, damit die Massnahme eine Wirkung entfalten kann. Wir überprüfen auch, ob ein Projekt ins Förderkonzept passt. Wir mussten eben wieder ein interessantes Projekt ablehnen, weil es dem nicht entsprach.

Welches Fachwissen braucht es für Ihre Aufgabe im Naturfonds?

Es braucht ein möglichst breites Wissen über den Naturschutz, eine gute Vernetzung und Expertise in einem relevanten Bereich. Ich komme aus dem Amphibienschutz, meine Ratskollegen bringen zum Beispiel Fachwissen in der Umweltbildung oder Landwirtschaft mit. Gemeinsam verfügen wir über viel Erfahrung, ob ein Projekt funktionieren kann und ob es realistisch budgetiert ist. Das ist wichtig, damit wir das Fördergeld mit grösstmöglicher Wirkung einsetzen können.

Der Naturfonds salzgut stellt als Förderfonds zielgerichtet finanzielle Fördermittel zur Biodiversitätsförderung und Umweltbildung zur Verfügung. Was unterscheidet ihn von anderen Fonds oder Förderstiftungen?

Der geografische Fokus. Wir fördern Projekte in den Regionen der Salzabbaugebiete, also in der Nordwestschweiz und in der Region Bex. Dadurch können wir in diesen Regionen viel erreichen. Es ist schön, dass aus der Wirtschaft eine Förderung der Natur kommt. Wir haben ein gutes Budget und konnten bislang die Mehrheit der Projekte bewilligen. Kleine Gesuche unter 5’000 Franken können wir sehr flexibel bewilligen.

Gibt es weitere Unterschiede?

Inhaltlich sind wir sehr vielfältig. Andere Fonds und Stiftungen konzentrieren sich auf einen Umweltbereich, zum Beispiel den Wald. Unter den von salzgut geförderten Projekten sind neue Weiher, Umweltbildung, Landschaftsgestaltung auf einem Pumptrack, Totholz-Projekte für Käfer und viele mehr. Einige sind über viele Jahre hinweg konzipiert, oft können wir auch Folgeprojekte bewilligen.

Seit seiner Gründung im Jahr 2020 hat der Naturfonds salzgut 139 Projekte unterstützt. Was haben diese erreicht?

Wir haben die Projekte 2020 bis 2022 in einem Tätigkeitsbericht analysiert. Die Wirkung der einzelnen Projekte haben wir bisher nicht systematisch überprüft. Wir legen Wert auf die langfristige Wirkung und achten darauf, dass die Antragstellenden professionell arbeiten. Darum können wir davon ausgehen, dass die Biodiversität im Rahmen der salzgut-Projekte zugenommen hat. Die Erfahrung zeigt zum Beispiel: Wo es einen Weiher hat, kommen die Frösche und die Libellen.

Im Weiher des Naturschutzvereins Pratteln, der vom Naturfonds salzgut unterstützt wurde, wohnt auch das Lieblingstier von Dr. Benedikt Schmidt: die Gelbbauchunke.

Wie trägt der Expertenrat zum Gelingen der Projekte bei?

Wir winken nicht jedes Projekt durch. Oft geben wir Rückmeldungen zu Gesuchen oder bewilligen diese unter Auflagen. Manche geben wir den Antragsstellern zur Nachbesserung zurück. So haben wir eine gewisse Möglichkeit, das Gelingen zu steuern und nutzen diese auch.

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Der Weiher, den der Naturschutzverein Pratteln gebaut hat. Ich bin selbst im Verein und wohne in Pratteln. Ich kann ihn anschauen und sehe eine Wirkung. Das ist sehr befriedigend.

Und zum Schluss: Welches ist Ihr Lieblingstier?

Ich bin nie erwachsen geworden. Mich interessieren Amphibien sehr. Am liebsten ist mir die Gelbbauchunke. Ganz logisch ist das nicht, es ist eher wie verliebt sein: ich mag ihr Aussehen, die herzförmigen Pupillen. Und da ist auch ein intellektueller Aspekt: Diese Art braucht Schutzmassnahmen, sonst verschwindet sie.

Über den Naturfonds salzgut

Der Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen unterstützt Projekte in den Bereichen der Biodiversitätsförderung und Umweltbildung. Im Fokus stehen lokale Projekte in den Gemeinden, in denen die Schweizer Salinen heimisches Salz gewinnen. Weitere Informationen zu Projekten und zum Naturfonds sind unter www.salzgut.ch verfügbar.

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Leiter Exploration und Gewinnung

Tel. +41 61 825 51 51
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