Seit 2019 arbeitet der Forstbetrieb Dorneckberg daran, wildlebende Honigbienen in seinen Wäldern wieder anzusiedeln. Das vom Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen geförderte Projekt zeigt eindrücklich, dass von Biodiversitätsmassnahmen immer viele Arten profitieren.
Bis vor rund 150 Jahren war die Dunkle Europäische Honigbiene (Apis mellifera mellifera) in den Schweizer Wäldern weit verbreitet. Sie war sehr wichtig für das Ökosystem, lebte in natürlichen Baumhöhlen und bestäubte Wild- und Nutzpflanzen.
Mit der Industrialisierung, intensiverer Waldnutzung und der gezielten Zucht von leistungsfähigeren Bienenarten, verschwand die Art fast vollständig aus der Landschaft. In Deutschland ist sie ganz ausgestorben. Und in der Schweiz gab es bis vor Kurzem nur noch im Kanton Glarus, im Simmental (BE) und im Münstertal (GR) Bestände. Nun summt die wilde Waldhonigbiene auch wieder in den Wäldern des Dorneckbergs (SO).
Dunkle Bienen verhalten sich anders
Seit 2019 wertet der Forstbetrieb Dorneckberg – das sind die Gemeinden Dornach, Gempen, Hochwald und Nuglar-St. Pantaleon – den Wald auf und schafft Lebensräume für wildlebende Waldhonigbienen. Das Projekt wird durch den Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen gefördert.
«Zuerst haben wir versucht, Völker der Carnica Biene anzusiedeln» erklärt der pensionierte Revierförster Roger Zimmermann. Er hat das Projekt initiiert. Doch fast alle dieser Bienenvölker, die Imkern der Umgebung entflogen waren oder künstlich in die Behausungen eingesetzt wurden, sind im Winter verhungert. «Sie passen die Grösse ihres Volkes nicht an, wenn es Nektarmangel gibt», erklärt Zimmermann. Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera hingegen reduziert bei Nahrungsmangel – und der war häufig in den ersten Projektjahren – das Brutnest und passt sich an die Situation an.
Ein herausfordernder Lernprozess
Mit der Dauer des Projektes wurden darum immer mehr Dunkle Bienenvölker in hohlen Bäumen und künstlichen Behausungen angesiedelt. Diese bieten wichtige Ersatzlebensräume, solange natürliche Nisthilfen fehlen. Momentan leben in den 13 Behausungen, die das Projekt kontrolliert, acht Völker der dunklen Biene und zwei Carnica-Völker. Ein wichtiger Moment wird der Frühling 2026, wenn die Waldhonigbienen wieder ausschwärmen. «Wir können das unterschiedliche Verhalten beider Arten dann direkt beobachten und dokumentieren, von welcher Art mehr Völker überleben», sagt Roger Zimmermann.
Honig wird untersucht
Im Wiederansiedlungsprojekt wird kein Honig für den Verzehr geerntet. «Die Bienen brauchen den Honig, um den Winter zu überleben. Wir entnehmen lediglich Proben und analysieren die Zusammensetzung der Pollen», erklärt Johannes Wirz. Der promovierte Biologe ist seit 30 Jahren Imker und überprüft im Projekt, ob die Bienenvölker gesund sind. «Dieser Sommer war sehr gut für die Bienen. Es gab auch nur wenig Milben.» Geplant ist ausserdem eine Zusammenarbeit mit der FHNW, die das Projekt wissenschaftlich begleiten will.
Aus der Pollenanalyse können die Projektverantwortlichen lesen, von welchen Blüten sich die Honigbienen im Wald ernähren. Daraus werden konkrete Massnahmen abgeleitet: «Wir haben im Rahmen des Projektes viele Pflanzen gesetzt, die bis spät in den Herbst blühen», erklärt Patrick Fiechter, Leiter des Forstbetriebes und Projektleiter. Im Frühling wurden Linden gepflanzt, im Herbst kommen Traubenkirschen und Faulbäume dazu. Eine Saatenmischung mit Wildem Majoran, Wiesen-Glockenblume, Hornklee, Rotklee und Natternkopf wurde auf rund zwei Hektaren Fläche verteilt. So wird das Nahrungsangebot für die Bienen gesichert.
Kleine Biene, grosse Wirkung
Die Wiederansiedlung der wilden Waldhonigbiene auf dem Dorneckberg hat sich nicht nur in der ganzen Schweiz und im Ausland herumgesprochen, sondern sie wirkt sich auch auf die umliegenden Wälder aus. «In den letzten fünf Jahren haben wir aus dem Baselbiet und aus der Stadt immer wieder von hohlen Bäumen gehört, in denen sich Bienenvölker angesiedelt haben», erzählt Roger Zimmermann. Das sei ein Zeichen für den Erfolg des Projektes: «Das gab es in den vorangehenden 30 Jahren meiner Berufskarriere nicht.» Lange sei jeder Baum gefällt worden, in dem ein Specht wohnte. Erst mit dem Wintersturm Lothar habe – gezwungenermassen – ein Umdenken hin zu einer weniger intensiven Waldnutzung stattgefunden.
Für die Projektleiter ist indes klar: Die wilde Waldhonigbiene ist eine Indikatorart, die die Vernetzung der Natur aufzeigt. Wenn sie dank eines biodiversen Umfeldes überleben kann, überleben auch andere Insekten, die Blüten anfliegen. Und davon profitiert das ganze Ökosystem inklusive Imkerei und Landwirtschaft.
Weitere Informationen zum Projekt Waldhonigbienen finden Sie auf der Webseite der Forstbetriebe Dorneckberg: Wild lebende Honigbiene
Foto Quelle: Forstbetrieb Dorneckberg
Über den Naturfonds salzgut
Der Naturfonds salzgut der Schweizer Salinen unterstützt Projekte in den Bereichen der Biodiversitätsförderung und Umweltbildung. Weitere Informationen zu Projekten und zum Naturfonds sind unter www.salzgut.ch verfügbar.

