«Die Stimmung auf den nächtlichen, verschneiten Strassen ist unbeschreiblich»

Die Nationalstrassen Nordwestschweiz AG (NSNW) sorgt für sichere und verfügbare Strassen. Thomas Leuzinger, Leiter des Betriebs und stellvertretender Geschäftsleiter, gibt einen Einblick in die wichtigen Aufgaben der NSNW, die Zusammenarbeit mit den Schweizer Salinen und die Herausforderungen des Winterdiensts.

Thomas Leuzinger ist Leiter des Betriebs und stellvertretender Geschäftsleiter der NSNW.

Ihr Revier sind die Autobahnen in der Nordwestschweiz. Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Wir kümmern uns um das Gesamtpaket: Wir halten die insgesamt 240 Kilometer Autobahn in der Nordwestschweiz instand, kümmern uns um die Reinigung aber auch um die Grünpflege entlang der Strassen. Eine wichtige Tätigkeit ist auch der Unterhalt der Tunnels – davon gibt es in der Nordwestschweiz ungefähr 40 Stück. Dort ist die Instandhaltung der elektromechanischen Anlagen von grosser Bedeutung, also beispielsweise die Wartung der Brandmelde- oder Lüftungsanlagen. Damit alle Bauarbeiten auf und entlang der Autobahnen sicher durchgeführt werden können, kümmern wir uns auch um die Baustellensicherung der Region. Und während den kalten Monaten kommt zu diesen Aufgaben noch der Winterdienst hinzu.

Und was beinhaltet der Winterdienst in unserer Region?

Auf unseren Höhenmetern besteht der Winterdienst zu einem grossen Teil darin, Reifglätte auf den Strassen zu verhindern. Diese entsteht, wenn die Temperatur des Strassenbelags unter dem Gefrierpunkt liegt und somit hohe Luftfeuchtigkeit oder Nebel anfriert. Um dies zu verhindern, setzten wir während den kalten Tagen präventiv Sole, also eine wässrige Salzlösung ein, damit die Strassen sicher bleiben. Zudem gehören auch die grösseren Schneeräumungen zu unseren Aufgaben.

Der Winter steht bereits vor der Tür. Welche Vorkehrungen haben Sie getroffen?

Die Vorbereitungen auf den Winter beginnen bei uns schon im Oktober. Dann stellen wir unsere Flotte von insgesamt 45 Streufahrzeugen bereit. Dieselben Fahrzeuge sind auch im Sommer im Einsatz. Sie müssen im Herbst jedoch für den Winterdienst umgerüstet werden. Dabei testen wir auch die gesamte Elektronik sowie das Streubild, damit es während den Einsätzen nicht zu Pannen kommt.

Gerade im Winter muss es manchmal sehr schnell gehen, um die Sicherheit der Strassen zu gewährleisten. Wie planen Sie die Einsätze?

Grundsätzlich setzen wir alles daran, Spontaneinsätze zu verhindern. Eine gute Planung ist dafür zentral: So beobachten wir stets die Wetterberichte und planen entsprechend unsere Einsätze. Jeweils 72 Stunden im Voraus beobachten wir die Wetterprognosen für die kommenden Tage. Die genaue Wettervorhersage, die 24 Stunden im Voraus erscheint, besprechen und analysieren wir täglich jeweils um 11.30 Uhr gemeinsam mit unserem Meteorologen. Auf Basis dieser Analyse erstellen wir unseren Einsatzplan. Das heisst, unsere Einsatzkräfte erhalten um die Mittagszeit eine Information, wann und wo sie am gleichen Abend einrücken müssen. Natürlich erfordert dies mehr Flexibilität als ein durchschnittlicher Bürojob, aber so können wir zuverlässig planen.

Die NSNW verfügt über eine Flotte von insgesamt 45 Fahrzeugen, die beim Winterdienst eingesetzt werden.

Müssen Sie im Winter das Personal aufstocken?

Bei uns sind durchs Jahr hindurch rund 85 Chauffeure auf Pikett im Einsatz. Während der intensiven Winterzeit sind wir auf die Zusammenarbeit mit Partnerfirmen angewiesen. So stehen uns etwa 30 zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung.

Wie darf man sich einen Arbeitstag während eines intensiven Wintereinsatzes vorstellen?

Nachdem wir unsere Chauffeure aufgeboten haben, rücken diese um 9 Uhr abends ein und erhalten ein Briefing zu ihrer Route. Danach checken sie ihr Fahrzeug und laden Auftausalz, bevor sie ihre Route befahren. Vom Bundesamt für Strassen sind wir dazu beauftragt, im Winterdienst jeden Quadratmeter der Nationalstrassen alle zwei Stunden zu bearbeiten. Deshalb werden unsere Routen von unseren Winterdienstleitern so geplant, dass ein Fahrzeug pro Runde mit 40km/h ungefähr 100 Minuten unterwegs ist. Je nach Wetterlage gibt es nach einer Fahrt bereits eine erste Pause – wenn es stark schneit oder sehr eisig ist, kann gleich eine zweite Runde angehängt werden.

Was sind dabei die grössten Herausforderungen, die ihre Mitarbeitenden bewältigen müssen?

Die Arbeit auf der Autobahn bringt einige Risiken mit sich. Besonders, wenn man neben den vorbeirasenden Fahrzeugen arbeitet. Im Winterdienst sind unsere Mitarbeitenden jedoch durch die eigenen Fahrzeuge sehr gut geschützt. Einzig die Ungeduld gewisser Autofahrerinnen und Autofahrer wird zu unserer Herausforderung: Generell gilt, dass ein Konvoi von Streufahrzeugen nicht überholt werden darf. Dies wird jedoch immer wieder missachtet, was zu riskanten Verkehrssituationen führt.

Besonders wichtig im Strassenverkehr: Ein Konvoi von Streufahrzeugen darf nicht überholt werden.

 Wie stellen Sie sicher, dass Sie jederzeit genügend Auftausalz haben?

Wir füllen unsere Lagerbestände mit der Sommerauffüllung von den Schweizer Salinen auf. Im Herbst liegen in unseren unterschiedlichen Depots dann rund 8’000 Tonnen Auftausalz bereit. Im Schnitt benötigen wir 4’000 bis 5’000 Tonnen pro Jahr und müssen eher selten nachbestellen. Zudem verfügen wir über Soletanks, die bei unseren Depots regelmässig befüllt werden, damit wir unsere Streufahrzeuge stets beladen können. Die Sole beziehen wir ebenfalls von den Schweizer Salinen. Die gute Zusammenarbeit mit den Schweizer Salinen ist zentral, damit wir die Mobilität auf den Strassen sicherstellen können.

Wieso verwenden Sie im Winterdienst nicht nur festes Auftausalz, sondern auch Sole?

Typischerweise verwenden wir Auftausalz, wenn die Strassen bereits nass sind und der Schnee matschig ist. Sind die Strassen eher trocken, verwenden wir Sole. Die Verwendung von Sole bringt im Winterdienst einige Vorteile: Verteilt man sie auf der Fahrbahn, bevor es schneit, so kann sich der Schnee gar nicht erst auf dem Untergrund festsetzen und lässt sich später leicht durch die Räumungsfahrzeuge entfernen. Zudem erreichen wir durch die Verwendung der Sole im Winterdienst ein sehr gleichmässiges, dichtes und homogenes Streubild, was wiederum zur Sicherheit auf den Strassen beiträgt. Dank der Sole kann zudem der Verbrauch von Auftausalz gesenkt werden: Pro Quadratmeter sind dank der Verwendung von Sole nur noch 7 bis 15 Gramm Streusalz nötig.

Was war Ihr schönstes Erlebnis während Ihrer Arbeit?

Für mich ist jedes Jahr ein Highlight, wenn der Winter kommt und der erste Schnee fällt. Dann geht es los mit dem Winterdienst. Ich begleite immer wieder Chauffeure auf ihren Fahrten und die Stimmung auf den nächtlichen, verschneiten Strassen ist unbeschreiblich schön. Zudem ist jeder Tag ein Erfolg, an dem wir die Strassen erfolgreich sichern konnten und der Verkehr ungestört rollt.

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Ihre Ansprechpartner

Dr. Urs Ch. Hofmeier

Geschäftsführer

Tel. +41 61 825 51 51
urs.hofmeier@saline.ch

Carlo Habich

Delegierter für Soleförderung und Nachhaltigkeit

Tel. +41 61 825 51 51
carlo.habich@saline.ch

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